Kosmovision Maya

Der Weisheitsschatz der Maya

Vorwort

Es heißt immer man sollte kurze Texte auf der Website schreiben, es wird sonst nicht gelesen.
Ich kann das nicht. Ich bin Schamanin, Heilerin, Brückenbauerin, es braucht Worte um über ein Geschehen schreiben zu können, das weit über unser Fassungsvermögen hinausgeht.

Über die Kosmovision Maya, den Mayakalender und deren Astrologie gibt es unendlich viele Bücher. Ich werde in diesem Text keine Bücher zitieren, sondern ich möchte Ihnen mein Wissen, nach 25 Jahren Zusammenleben mit den Maya in Guatemala mit meiner erlebten Erfahrung weitergeben. Ich habe den Weisheitsschatz der Maya in vielen Ritualen erlebt, so ist für mich die Kosmovision Maya ein großes, universelles rituelles Geschehen, das immer und immer wieder jeden Augenblick stattfindet.

Dieses Wissen, über das soviel geschrieben wurde und sicher noch weiter geschrieben wird, das ist eine Ebene, eine wunderbare Ebene, aber diese Weisheit im Alltag zu erfahren ist etwas ganz Anderes.

Darüber möchte ich Ihnen berichten.

Einführung

Das spirituelle Wissen beziehen die jetzigen Maya nicht alleine auf ihre eigenen gelebten Erfahrungen sondern ganz besonders auf das Überlieferte ihrer Vorfahren.
Sie sagen immer wieder wie wichtig es ist dieses Wissen zu beleben und im eigenen Leben sein erlebtes Wissen wieder an die nächste Generation weiterzugeben. So kann Spiritualität wachsen und sich dem neuen Zeitgeist anpassen. Darum werden alte Menschen auch sehr verehrt, da sie Träger des Wissens eines langen Lebens sind.

Das ist auch das Prinzip des Mayakalenders. Der ist nicht statisch, sondern dehnt sich wie das Universum aus. Es ist ein lebendiger Kalender.
Daher ist es auch sehr schwer ihn in all seiner Tiefe zu verstehen. Dafür braucht es viel Zeit und auch Arbeit damit. Jeder Schamane trägt dieses Wissen in sich, ja IST selbst dieses Wissen und setzt es ein bei seiner spirituellen Arbeit. Ob bei Hilfen von Krankheiten, bei alltäglichen Mühen wie Geldsorgen, Nachbarschaftsstreit, Eheprobleme, Kinder, Ernte usw., immer wird auf dieses Wissen intuitiv, aber auch sich an klare Strukturen haltend, zurückgegriffen.

Schamanen, dieses Wort kennen die Maya nicht, sie bezeichnen sich als „ajq ´ijab´, das wurde als Mayapriester übersetzt, ist aber nicht gänzlich dem entsprechend, was es ausdrücken soll. Ich bleibe einfachheitshalber bei dem Wort Schamane, und meine damit Frau und Mann. Es gibt genauso viele Frauen in Guatemala die als Heilerinnen, „Curanderea“ und Hüterinnen des Feuers tätig sind.

Ritualarbeit

Wie kann man sich diese rituelle Arbeit im Alltag der Maya vorstellen?

Hier unterscheidet sich unser westliches Leben sehr von dem Leben der Maya. Sie nehmen ganz natürlich an, dass sie nicht alleine sind. Dass sie immer mit Geistwesen aus der Anderswelt in Kontakt stehen so wie jede Pflanze, jeder Baum, jedes Tier, jeder Stein, jedes Gewässer… Und auch, dass manches Mal Chaos oder Trennung oder eben ein nicht gutes Verhältnis zu diesen Wesen da ist. Dafür, dass sich das bessert ist der Schamane zuständig. Es ist sein Beruf.

Diese Helfer sind nicht leicht zu erkennen für Außenstehende. Das kann ein für uns arm aussehender Bauer auf dem Markt sein, der seine Produkte verkauft, oder eine Frau die versucht ihre wunderschönen Webereien zu verkaufen. Wenn man dann diese Menschen in ihrer spirituellen Arbeit mit dem hl. Feuer erlebt, ist man einfach nur sprachlos.

Da kommt dann ihre Mächtigkeit zum Vorschein, dieses Wissen um das Unsichtbare, dieses Sein in der Einheit, diese Kommunikation mit dieser Anderswelt. Man spürt die Kräfte, die um einen sind, man spürt die Präsenz außerhalb und in sich. Es bewegt das Feld um einem herum und man ist mitten drin.

All das ist für die Maya ganz normaler Alltag. Findet täglich mehrere hunderte Male im ganzen Land verteilt statt. Wenn man durch das Hochland fährt sieht man überall die hl. Feuer brennen.

Der Mayakalender ist dieses Universum und dessen geheimnißvolles Wissen ist ihre zweite Natur. Das braucht nicht gelernt zu werden, das sind sie. Sie leben das seit Jahrtausenden und selbst 500 Jahre Unterdrückung konnten daran nichts ändern.

Zwei Kulturen, eine Welt

Ich bekam das Geschenk in dieses Wissen eintauchen zu dürfen. Schritt für Schritt damit vertraut zu werden. Mir wurde als Christine vertraut. Ich durfte Jahr für Jahr mehr davon in mir aufnehmen, es wurde Vieles davon auch meine zweite Natur.

Ich bin deshalb immer noch Tirolerin, ich werde dadurch keine Mayafrau. Don Julian, mein Mayavater hat immer gesagt, Maya ist überall, es ist Kosmos, es ist an kein Land und keine Leute gebunden.

Du nimmst Teil am kosmischen Wissen, weil alles eine Einheit ist. Alles Gleichzeitig ist. Wir sind nicht getrennt, nicht Du und ich, nicht Du und das Universum, nicht Du und Gott.

Also bleib Tirolerin und sei Maya.

Die Verbindung von Himmel und Erde

Es gibt für mich nichts Schöneres als ein Ritual zu machen. Die Zeit verlangsamt sich, das Außen zieht sich immer mehr zurück. Man kommt in diese göttliche Ruhe und in das Gefühl von Ganzheit und gleichzeitig nimmt man seine eigene Präsenz ganz klar und kraftvoll wahr. Es ist wie ein Heimkommen in eine Welt die jeder von uns kennt. Diese Welt gibt Geborgenheit gibt Ruhe, gibt das Gefühl von Einheit und wärmt das Herz.

Natürlich ist für mich, als Feuerschamanin, das Ritual mit dem hl. Feuer das Schönste. Aber auch Rituale mit Wasser, Luft und Erde sind wunderbar und jedes Element berührt einem auf einer anderen Ebene. Alles hat seinen Wert und alles ist Gleichwertig.

So erinnern uns Rituale an die göttliche, kosmische Ordnung und an die absolute Verbindung zur Quelle, dem Herzen des Himmels.

Jedes Ritual ist eine Verbindung von Corazon del Cielo und Coracon de la Tierra.
Eine Verbindung von Himmel und Erde und uns als Mensch dazwischen.
Wir sind Mittler in dieser Ordnung von Oben und Unten.

Das sind im Mayakalender die 9 Ebenen der Materie, die übersetzt als die neun Himmel bezeichnet werden. Sie stellen die neun Entwicklungsebenen unserer Erde und unseres Menschsein dar. In jedem Ritual mit dem hl. Feuer wird diese Manifestation und dieses Wachsen von Erde und Menschheit gefeiert und damit die Tore in das Universum geöffnet.

Somit hilft ein Ritual auf grobstofflicher Ebene beim Erfassen und Verdichten einer Qualität die uns dann als Energie zur Verfügung steht. Es werden Zeit und Raum durchlichtet und die Invokationen ziehen den angerufenen Geist in das Irdische herab. Darum machen wir das im Ritual, bauen das hl. Feuer auf, mit Kerzen, Weihrauch, Heilkräutern, Blumen… Um im Materiellen die unsichtbare Welt anzusprechen und sie in unsere Welt herein zu bitten. Die Elemente und ihre damit verbunden Kräfte sind mächtige Wesenheiten die sich uns als Mensch zur Verfügung stellen für unser Wachstum und unsere Heilung.

Rituale als Wegbegleiter zur Selbsterkenntnis

Im Ritual erschaffen wir die entsprechenden „inneren“ Bilder und bereiten so den mentalen Boden vor. Wir wollen ja auch verstehen was uns die geistige Welt mitteilen möchte. Diese Bilder werden dann von unserem Verstand übersetzt damit wir damit was anfangen können.

Manchmal brauchen wir dann den Schamanen beim Übersetzten. Er ist in diesen Welten zu Hause und kann besser damit umgehen.

Es ist bekannt und wissenschaftlich nachgewiesen, dass Rituale und Zeremonien auf das Tiefen-Ich verändernd einwirken. Das Ziel ist nicht Geister zu beschwören, damit sie einem dienen, sondern die Macht des eigenen Geistes zu entwickeln, damit man selbst und bewusst auf allen Ebenen agieren kann.

So bin ich mit Hilfe des Rituals in der Lage mich selbst zu erkennen.

So ist ein Ritual, auch ein Schamane, ein „Werkzeug“ um die eigenen Kräfte zu erkennen und Schritt für Schritt damit seinen Weg gehen zu können. Es erspart einem viele Umwege und viele Mühen und Dramen wenn man sich im Zusammenspiel dessen was in und um einem herum ist gut auskennt und damit umgehen kann.

Ein Ritual und ein Schamane schafft niemals Abhängigkeit, sondern es geschieht genau das Gegenteil. Es bringt einem in die Freiheit, erlöst einem von Anhaftungen und nicht mehr gebrauchten Vorstellungen.

So ist für mich jedes Ritual ein kosmisches Ritual, die Kosmovision Maya eine universelle Weisheit, an keine Kultur, Religion oder sonst was gebunden. Es findet überall statt, in jedem Augenblick. Wir können uns andocken und eins werden damit und uns Gutes tun.